Literaturrecherche – Suche nach Literatur – Literatursuche

Teil 4 – Wissenschaftliches Arbeiten – Tipps, Hilfe

 

2. Wie suche ich am besten nach Literatur? (Literaturrecherche, Literatursuche)

Wenn man das Thema seiner Arbeit erhalten hat (s. Wie schreibt man…?), steht als nächstes die Literatursuche (Literaturrecherche, Suche nach Literatur) an. Diese fällt am Ende stets nervenaufreibender und langwieriger aus als gedacht, sodass man sich diesen Schritt bestmöglich vororganisieren sollte. Die Literaturrecherche nimmt einen wesentlichen Teil der Arbeit ein.

Bevor man sich jedoch nun den Kopf darüber zerbricht, welche Suchmethode oder Suchkanäle die geeignetsten sind, sollte man zuerst klarstellen, wonach man überhaupt sucht (s. Vorgliedern). Dieser Einwand ist dabei weit weniger überflüssig, als er auf den ersten Blick wirkt.

Hintergrund dieser Anmerkung ist, dass es zwar leicht sein mag, den grundsätzlichen Themenkomplex zu benennen, in den die eigene Arbeit gehört (z.B. Internetwerbung, Social Media, Gesundheitsmanagement, Metaphorik), jedoch deutlich schwerer, innerhalb dieser sehr weiten Grenzen genau die Unterbereiche anzusteuern, die einen wirklich thematisch weiterbringen. Für die Literaturrecherche ist eine grobe inhaltliche Gliederung daher grundlegend.

→ Vorgliedern (Grobgliederung) – Vorstufe zur Literaturrecherche

Als erstes hilft es daher, sich eine vorläufige Gliederung anzulegen, die den linearen Titel der Arbeit in eine erste hierarchisierende Struktur umsetzt. Dafür sucht man die  inhaltlichen Schlüsselbegriffe heraus und gruppiert sie nach übergeordneten Themenblöcken. Dadurch werden Ober- und Unterkapitel innerhalb des Theorieteils angelegt und weitere und engere Suchbegriffe definiert.
Schreibt man beispielsweise über “haptische Metaphern” genügt es nicht, als Obersuchbegriff nur nach “Metaphern” oder direkt nach Veröffentlichungen zum spezifischen Schlüsselbegriff Ausschau zu halten, sondern man sollte auch Literatur zu Oberbegriffen wie “funktionale Metapherntypen” oder zu verwandten Begriffen wie den “Konzeptmetaphern” recherchieren.

→ Suchkanäle eruieren (Wo kann gesucht werden, Quellen, Literatur)

Als nächstes sollte man für sein Thema zusammenstellen, welche Recherchekanäle für die Literaturrecherche existieren.
Hier sind:

  • thematische (Online-)Fachzeitschriften,
  • Spezialbibliographien,
  • facheigene Suchportale (der eigenen Fakultät oder fremder Institute),
  • Bibliotheksserver bzw. -kataloge,
  • Internetsuchmaschinen

grundsätzlich Kanäle, die man einbeziehen sollte. Diesbezüglich sollten zwar theoretisch während des Studiums bereits die nötigen Kenntnisse erworben worden sein, praktisch beschäftigt man sich jedoch selten umfassend mit den Suchmaschinen und damit, wie sie genau funktionieren. Hier im Vorfeld der eigentlichen Themenvergabe und des offiziellen Countdowns bereits nach facheigenen Portalen, Sondersammelgebieten etc. auch auf den Homepages anderer Universitäten zu suchen, erspart einem hinterher Zeit und eröffnet einem einen schnellen Zugang zu qualitativen Suchergebnissen.

→ Suchmethoden

Grundsätzlich gibt es zwei Vorgehensweisen, um geeignete Literatur zu finden: die Schlüsselwortsuche und das Schneeballprinzip.

Schlüsselwortsuche

Die Schlüsselwortsuche baut auf der Vorrecherche von Suchmaschinen und Internet-Portalen auf, mithilfe derer man dann gezielt:

1)    nach den thematischen Schlüsselwörtern suchen kann.
Ist die Menge der Treffer zu groß, um per Hand durchforstet zu werden, sollte man die Booleschen Operatoren einsetzen und die Suche einschränken. Auch die Suchparaphrase kann spezifiziert werden.

Werden zu wenige Treffer erzielt, sollte man drei Strategien ausprobieren:

a)    Man kann Wortteile durch Platzhalter wie * ersetzen und dadurch grammatische und lexikalische Varianten, teilweise sogar anderssprachige Verwandte des Wortstamms und damit mehr Literatur und neue Autoren  (s. Schneballprinzip) finden.

b)    Man sollte überlegen, unter welchen Synonymen oder verwandten Bezeichnungen noch Informationen zu dem eigenen Thema vermittelt werden könnten.

Bsp.: Neben der Principal Agent Theorie wird im Deutschen auch von der Prinzipal-Agent-Theorie, der Prinzipal-Agenten-Theorie aber auch dem Prinzipal-Agent-Prinzip oder dem Prinzipal-Agenten-Modell gesprochen. Oder statt nur nach haptischen Metaphern zu suchen, sollte man auch den Terminus Berührungsmetaphern recherchieren.

c)    Man sollte englischsprachige Literatur (oder andere Sprachen, die man beherrscht) miteinbeziehen, indem man die entsprechenden Suchbegriffe eingibt. Hierbei ist lediglich darauf zu achten, dass man den korrekten fremdsprachlichen Terminus wählt (z.B. standardized product anstatt *standard product für “Standardartikel”).

2)    nach Autoren suchen kann, die man bereits kennengelernt hat und die im bearbeiteten Spezialgebiet geforscht haben.
3)    nach themenrelevanten Bibliographien suchen kann.

(*)  Aus ökonomischen Gründen wird bei unseren Ausführungen das generische Maskulinum verwendet, die feminine Form soll jedoch stets mitverstanden werden.

Schneeballprinzip

Bei dieser Methode geht man von einem Fachbeitrag zum gewählten Thema aus und sucht sich aus der Literaturliste die Beiträge aus, die weitere Informationen zum eigenen Thema enthalten könnten. Die Bibliographien der dadurch ermittelten Veröffentlichungen werden dann ebenfalls wieder als Sprungbrett für weitere Veröffentlichungen genutzt.

Neben Fachveröffentlichungen können auch die Literaturangaben von Thesenpapieren von Mitstudierenden oder die Lektüreangaben und Veröffentlichungslisten von Lehrenden den entscheidenden Anfang bilden.

→ Generelle Tipps (Suchmethoden, Literaturrecherche)

  • Beide Suchmethoden miteinander kombinieren.
  • Eine Liste anlegen, welche Suchkanäle man schon abgearbeitet hat (speziell bei Doktorarbeiten wichtig!).
  • Wenn genügend Überblicksliteratur zusammengetragen wurde, nur noch spezifische Abhandlungen aufnehmen, sonst wird die Materialfülle zu groß.
  • Sich zeitliche Grenzen setzen, sowohl was den bearbeiteten Publikationszeitraum angeht als auch die investierte Eigenzeit.
  • Klassiker – wenn möglich und je höher der angestrebte Abschluss ist – im Original einsehen.
  • Genügend Zeit für Fernleihen oder Vormerkungen einplanen („Die Zeitschrift gibt’s bei uns nicht“ ist ein denkbar schlechtes Argument, das keinen Korrektor überzeugt.).
  • Literaturliste durchaus bei Unsicherheit dem Erstkorrektor einmal zeigen. Sollten absolute Schlüsselwerke fehlen oder die Ausrichtung in eine falsche Richtung weisen, kann bereits in diesem Stadium eingegriffen und einem schwerwiegenden Missverständnis bei der Umsetzung des Themas vorgebeugt werden.